Romantisches Florenz
Gianni Schicchi ist der Name einer florentinischen Figur aus dem 33. Höllengesang aus Dantes Komödie, die erst später den Beinamen „Göttlich“ erhielt, um ihre grenzenlose Güte zu würdigen. Wir wissen jedoch fast nichts über Schicchi, außer dass er gemäß den Worten des Poeten in der Hölle landete, weil er es so gut verstand, seine Mitmenschen auszubooten.

Auf eine gewisse Weise fällt es einem in Florenz, der Geburtsstadt von Dante und Schicchi, schwer, sich nicht vom Geist der beiden besessen zu fühlen, die so sehr von dem unbesiegbaren lyrischen Impuls einer hermetisch-gnostischen Natur angetrieben waren, die man an jeder Ecke der Stadt am Arno, paradoxerweise durch den Kult der Materie, einatmet, sowie von dem unbewussten Wunsch, die Grenzen der Masken zu überschreiten, die wir tagtäglich aufsetzen, um uns in andere reiche Wesen zu verwandeln, denen alle Abenteuer und Möglichkeiten offen stehen.
Vielleicht liegt es an diesem vergifteten Charakter, den Gianni Schicchi verkörpert und der als perfekte Mahnung vor dem grundlegend vielschichtigen Charakter unserer Natur dient, dass dieser nur in bedeutenden Kunstwerken in Erscheinung tritt, wie zum Beispiel im Gedicht Dantes oder der kleinen Oper von Puccini, die als Teil des Triptychons, von dem jeder der drei Teile eine Allegorie auf die Komödie darstellt, ebenfalls den Namen Gianni Schicchi trägt.
Und genau die Oper Gianni Schicchi von Puccini enthält eines der vielleicht romantischsten Lieder aller Zeiten, „O mio babbino caro“ in dem die Figur der Lauretta damit droht, sich von der Ponte Vecchio in den Fluss zu stürzen, sollte ihre Liebe nicht erfüllt werden. Dass diese wunderschöne Brücke, berühmt aufgrund der Schmuck- und Goldstücke sowie der Handwerkskunst, die an den Ständen dort verkauft werden, und auch bekannt aufgrund des unvergleichlichen Ausblicks, den sie auf die Abenddämmerung über dem Arno gewährt, in einem solchen Lied erwähnt wird, ist nicht weiter verwunderlich.
Auch der Plaza de San Lorenzo wird eine Romantik beigemessen, die ebenfalls auf eine Legende zurückgeht. So erzählt man sich, dass Dante auf dem Markt dieses Platzes zum ersten Mal Beatriz begegnete als er neun Jahre alt war und sich sofort und auf immer und ewig in sie verliebte. Ein Ereignis, ohne das die Geschichte der westlichen Kultur wahrscheinlich anders verlaufen wäre und es heute weder die Komödie noch Gianni Schicchi gäbe.
Allerdings würde es trotz allem solch schöne und ergreifende Orte wie den Boboli Garten geben (http://www.museumsinflorence.com/musei/boboli_garden.html), in dem es einem nur zu leicht fällt, sich wie in einem verzauberten Land zu fühlen. Hinter dem großartigen Palazzo Pitti, vielleicht dem besten Beispiel bürgerlicher Architektur der Renaissance, bietet der Boboli Garten zwischen gepflegten, sich windenden Wegen, verführerischen Brunnen, unter denen sich ganz besonders der Neptun Brunnen hervorhebt, schlanken Zypressen, berauschenden Blumen, erhabenen Statuen und sogar einem Amphitheater sowie einer künstlich angelegten Insel inmitten des Sees einen der schönsten Anblicke in Florenz.
Zu guter Letzt dürfen sich die Liebhaber der Romantik natürlich einen Besuch in der gotischen Kirche Santa Croce nicht entgehen lassen, in deren Inneren Stendhal im Jahre 1817 angesichts der überwältigenden Kunstschätze panikartige Schwindelerscheinungen erlitt, welche heutzutage das Stendhal-Syndrom charakterisieren, dem sich all jene aussetzen, die es riskieren, appartments in Florenz zu mieten.




Übersetzt: Grete Tal





